Der Skalp des toten Indianers – ein Pat Garrett Roman (Auszug)

reitender IndianerTarak sank in die Knie, als er die verstümmelte Leiche von Y-Neh sah. Der gesamte Stamm der Apachen hatte sich kreisförmig um Geronimo und seine Begleiter versammelt. Die Jüngeren, die Y-Neh am besten gekannt hatten, drängten nach vorne und berührten seinen Leichnam. Klagelieder wurden angestimmt. Später trugen sie Y-Neh zu Taraks Zelt. Dort bahrten sie ihn auf. Einige Squaws reinigten seinen zerschundenen Körper und trugen eine Salbe auf, die den natürlichen Verfall verlangsamen sollte. Erst wenn alle Stammesmitglieder gebührend Abschied genommen hatten, konnte Y-Neh beigesetzt werden. Y-Neh war der erste Tote auf einem neuen Friedhof der Apachen, da alle anderen Bestattungsstätten auf dem von der US-Regierung zugewiesenem Stück Land lagen, das Geronimos Stamm gegen den Willen der Weißen verlassen hatte.

Bisher hatte sich Tarak darauf beschränkt, Geronimo seine Feindschaft spüren zu lassen, jetzt klagte er ihn vor dem Stamm an.

Geronimo saß bei den Alten am Feuer und erzählte, wo er Y-Neh gefunden hatte, als Tarak laut schimpfend den Platz betrat: „Seht ihn euch an, den großen Geronimo. Er will unser Anführer sein, ist in Wirklichkeit aber unser Verderben … Jetzt ist auch noch mein Sohn tot.“ Tarak hatte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Er zeigte mit dem Finger auf Geronimo, der ihn nur anstarrte. „Wir sind vor den Weißen geflohen und er bringt den Händler, die Squaw und den Mörder mit den kupferfarbenen Haaren zu uns. Steh auf, wenn ich mit dir rede.“ Geronimo bleibt sitzen. Tarak wirbelt herum und redet sich weiter in Rage. „Als er jünger war, hat es ihm sein Stolz verboten mit den Weißen Frieden zu schließen. Damals waren wir stark und hätten verhandeln können. Heute muss niemand mehr mit uns verhandeln, da wir dem Untergang geweiht sind. Angehörige von allen hier Anwesenden mussten deinetwegen sterben. Ich verfluche dich und fordere deinen Ausschluss aus unserer Gemeinschaft.“ Die Alten blieben stumm, manche waren aber durchaus der Meinung von Tarak. Geronimo wusste das.

Tarak fuhr fort. „Das Bleichgesicht mit den kupferfarbenen Haaren hat Y-Neh skalpiert. Ich habe es in meinen Träumen gesehen. Ohne seinen Skalp wird mein Sohn in den Ewigen Jagdgründen keine Ruhe finden.“ Die Alten nickten. Außenrum Gemurmel, einige Stammesmitglieder diskutierten das Gehörte. „Ich fordere dich auf großer Häuptling, finde Y-Nehs Skalp oder kehre nie wieder an unser Feuer zurück.“

Geronimo steht auf. „Die Trauer trübt deine Sinne, Tarak. Deine Worte klingen wie ein scheißendes Pferd. Y-Neh war für mich wie ein eigener Sohn. Habe ich ihm nicht beigebracht ein Krieger zu sein?“ Geronimo sucht den Blickkontakt mit den Alten. Wir alle wissen, dass Y-Neh ohne Skalp nicht zur Ruhe kommen wird. Er müsste auf ewig zwischen den Welten leben. Ich werde seinen Mörder und seinen Skalp finden. Erst dann kehre ich zurück.“ Geronimo überlegte kurz, ob er Tarak nicht auffordern sollte mitzukommen, verwarf den Gedanken aber sofort wieder.

Am Abend desselben Tages verließ der letzte Kriegshäuptling der Apachen mit einem frischen Pferd das kleine Lager. Bewaffnet war er mit Pfeil und Bogen, einem Messer und einem modernem Winchester-Gewehr. Sein einziger Proviant waren zwei, mit Wasser befüllte, lederne Schläuche.

Zum Buch

Über das Buch:
Im ersten Zyklus kreuzen die Helden den Weg eines Serienmörders (den es zu dieser Zeit wirklich gab) und geraten in eine groß angelegte Verschwörung. Im Verlauf der Handlung tauchen zahlreiche historische Persönlichkeiten wie zum Beispiel der Apachen Häuptling Geronimo, der berüchtigte Richter Roy Bean („Das Gesetz westlich des Pecos“) oder der Revolverheld Wyatt Earp auf. Am Ende jeder Folge gibt es einen spannenden Cliffhanger nach amerikanischem Serial-Vorbild. Die Serie setzt auf Tempo und Action, aber auch auf gut gezeichnete Charaktere und eine Prise Humor.